Konsumenten Verband

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SCHWEIZERISCHER VERBAND DER KONSUMENTENVEREINE
ZUR FÖRDERUNG DER BIOLOGISCH-DYNAMISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND ASSOZIATIVER WIRTSCHAFTSORDNUNG

Rudolf Steiner 

Nationalökonomischer Kurs
Aufgaben einer neuen Wirtschaftswissenschaft

1922 hält Rudolf Steiner 14 Vorträge über Wirtschaftswissenschaft, in denen er u. a. die Volkswirtschaftslehre so weiterführt, dass er zeigt, wie in der Weltwirtschaft drei Sorten von Geld die Ausgleichsvorgänge des Wirtschaftsorganismus bewirken.

Rudolf Steiner Nationalökonomischer Kurs GA 340

Der Kurs beruht methodisch auf einem beweglichen Denken in Bildbegriffen, das dem Fluktuierenden der Ökonomie gerecht werden und ein Verständnis der Prozesse von innen heraus – «aus der Retorte» – ermöglichen soll.

Dass der Kurs «Nationalökonomischer» heisst, erklärt Steiner selbst aus dem akademischen Sprachgebrauch. Inhaltlich steht in seinem Mittelpunkt die These, dass es eine Nationalökonomie nicht mehr gebe, dass die Erde zum geschlossenen Wirtschaftsgebiet, die Ökonomie zur Weltökonomie geworden sei (11. Vortrag).

ISBN 978-3-7274-3400-6

Preis: 52.00

Verlag: Rudolf Steiner Verlag

Das Wirtschaftsleben spannt sich aus zwischen Natur und Geist. Arbeit wird auf die Natur angewendet, um die Produkte zu erzeugen, die wir Menschen brauchen. Menschlicher Geist wird auf die Arbeit angewendet, um sie zu erleichtern, effizienter und damit produktiver zu machen. Durch Rationalisierung wird Arbeitsaufwand erspart. Die wertbildende Bewegung der Anwendung von Arbeit auf die Natur nennt Steiner W1, die der Anwendung von Geist auf Arbeit W2 (2. Vortrag). Der 3. Vortrag arbeitet den objektiven Altruismus der Arbeitsteilung und die Notwendigkeit einer Überwindung der Selbstversorgungsmentalität heraus, der 4. die Entstehung des Kapitals, seine Emanzipation von der Arbeit und die Herausbildung von Geldwirtschaft und Leihkapital. Der 5. Vortrag schliesslich betrachtet die Wirtschaft als Kreislaufgeschehen von Wertaufbau und -abbau, sowie die Rolle wertbildender Spannungen.

Stauungen und Blasenbildungen würden pathologisch wirken.

Der 6. Vortrag entwickelt die Formel des richtigen Preises und die Geldfunktionen des Kaufens, Leihens und Schenkens sowie die Rolle der Assoziationen für die Steuerung der Geldprozesse. Die bisherige Ökonomie habe die volkswirtschaftliche Rolle des Schenkungsgeldes nicht verstanden. Die Ökonomie der Zukunft lebe von der Kultur, die in der Gegenwart von Schenkungsgeld getragen werden müsse, was zu einer gesunden Entwertung führe. (Heute haben wir dafür die nicht unproblematische Form der Zwangsschenkung über Steuern).

Der 7. Vortrag unterscheidet Ruhe- und Bewegungsfaktoren im Wirtschaftsleben und zeigt die Problematiken von Lohnverhältnissen und Bodenpreis. Im 8. Vortrag werden die konventionellen Vorstellungen über die Rolle von Angebot und Nachfrage kritisiert und drei Preisgleichungen entwickelt. Das Geld sei ein Rechtsfaktor, die Entwicklung gehe von der Tauschwirtschaft über die Geldwirtschaft zur Fähigkeitenwirtschaft. Der 9. Vortrag behandelt die Herausbildung einer entpersönlichten Geldzirkulation.

Der 10. Vortrag verhilft zur Auflösung des Widerspruchs zwischen individueller und sozialer Ethik. Im 11. Vortrag geht es um die Entwicklung zur Weltwirtschaft. Das Geld ist Stellvertreterwert von Gütern und Leistungen, unterliegt aber keiner Abschreibung. Diese unreelle Konkurrenz zwischen Ware und Geld müsse überwunden werden, Geld müsse altern und sich am Ende seines Lebens verschenken (12. Vortrag). Geld sei letztlich die «fliegende Weltbuchhaltung», die Behandlung von Geld als Ware widerspreche dieser Rolle und führe zu Pathologien. Das Geld müsse wieder an den realwirtschaftlichen Prozess gebunden werden. (14. Vortrag)

Quelle: Auszug aus einem Aufsatz von Prof. Christoph Strawe in Sozialimpulse, Nr. 4/2013. Der Text ist auch im Bildungsheft Nr. 2 «Konsumenten – Auftraggeber der Wirtschaft» des Konsumenten Verbandes erschienen.

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Rudolf Steiner

Autorennotiz: Rudolf Steiner

Rudolf Steiner wurde am 27. Februar 1861 als ältestes von drei Kindern eines Bahnbeamten in Kraljevec auf der Mur-Insel geboren. Steiner zeigte schon früh naturwissenschaftliches Interesse und immatrikulierte sich 1879 an der Technischen Hochschule in Wien und studierte Biologie, Chemie, Physik und Mathematik. 1890 siedelte Steiner nach Weimar über, um im Goethe- und Schillerarchiv intensiv mitarbeiten zu können. 1891 promovierte er in Rostock zum Doktor der Philosophie. Steiner siedelte im Jahre 1897 nach Berlin über, wo er redaktionell- publizistisch und von 1899-1904 als Lehrer an der Arbeiter-Bildungsschule tätig war. Von 1902 bis zu seinem Tode arbeitete er an der Anthroposophie als Geisteswissenschaft. Nach Steiners Idee hat jeder Mensch die Fähigkeit, die Geisteswissenschaft zu verstehen und auch eigene Erkenntnisse in diese Disziplin einzubringen. Er gab wesentliche Impulse für die Medizin, die Landwirtschaft, die Ernährung, die Pädagogik, die Kunst, die Wirtschaftsordnung u.v.m. Rudolf Steiner starb nach langer Krankheit am 30. März 1925 in Dornach.

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